Beschreibung der Kurse
Die Grund- und Aufbaukurse verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz und verbinden dabei kognitives, emotionales und soziales Lernen. Dazu gehören:
- Teilnehmer/innenorientierung: Den Erfahrungen, Bedürfnissen und Ängsten der Teilnehmer/innen wird Raum gegeben (z.B. durch Erwartungsabklärung, Tagesreflexion)
- Prozessorientierung: Die im Seminar laufenden Prozesse werden thematisiert und beispielhaft behandelt (z.B. durch offene Bearbeitung von Konflikten in der Gruppe)
- Erfahrungsorientierung: Durch Übungen und Spiele werden die Seminarinhalte erfahrbar gemacht und Selbstlernprozesse ermöglicht (z.B. durch biografische Methoden und Rollenspiele)
- Handlungsorientierung: Für die Arbeits- und Lebenswelt der Teilnehmer/innen werden handlungsrelevante Kompetenzen vermittelt (z.B. durch das Einüben von Formen konstruktiver Kommunikation und Training von Zivilcourage).
Die Kurse finden in einer geschlossenen Lerngruppe mit maximal 18 Teilnehmern/innen statt, d.h. alle Teilnehmner/innen nehmen verbindlich an allen Einheiten des Kurses teil; während des Kurses kommen keine neuen Teilnehmer/innen dazu.
Die Ausbilder/innen arbeiten bei den Grund- und Aufbaukursen im gemischtgeschlechtlichen Team. Sie sind durch den QVB anerkannt und haben entsprechende Erfahrung. Die erfolgreiche Teilnahme an den Kursen wird nach den Standards des Qualifizierungsverbundes der AGDF zertifiziert. Die Organisationen erkennen ihre Grund- und Aufbaukurse gegenseitig an.
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Die Grundkurse
Ziel des Grundkurses ist die Befähigung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum konstruktiven Umgang mit Konflikten. Dies erfolgt durch:
- Auseinandersetzung mit Philosophie und Praxis von Gewaltfreiheit
- Kennenlernen von Theorie und Praxis ziviler, gewaltfreier Konfliktbearbeitung
- Reflexion des eigenen Verhaltens in Konflikten
- Kennenlernen von Kommunikationsformen zur Konfliktbearbeitung
- Auseinandersetzung mit den Themen Gender und Kultur
Angesprochen werden sollen Menschen aus allen Lebens- und Arbeitsbereichen, z.B. Interessierte aus öffentlichen Institutionen, Kirchengemeinden, Vereinen und sozialen Bewegungen. Vorausstetzung ist in der Regel ein Mindestalter von 21 Jahren, eine Berufsausbildung, abgeschlossenes Grundstudium oder vergleichbare Lebenserfahrung. In der Regel findet ein Vorgespräch statt, oder die erste Veranstaltung dient zur Klärung der Erwartungen. Wer an einem Grundkurs teilnehmen möchte, sollte sich vorher in Informations- und Einführungsveranstaltungen ausreichend informieren. Die Modalitäen werden durch Bewerbung und teilweise durch Vorgespräche mit dem Veranstalter geklärt. Die Grundkurse finden in Gruppen von maximal 18 Teilnehmern und Teilnehmerinnen statt. Berufsbegleitend dauern sie mindestens 14 Seminartage, als Kompaktkurse mindestens 12 Tage. Die einzelnen Organisationen setzen ihre eigenen Akzente.
Die Aufbaukurse
Die Aufbaukurse sind in regelmäßigen Abständen stattfindende berufsbegleitende oder kompakte Aus- und Fortbildungen, die auf konkrete Veränderungen im beruflichen, aber auch im persönlichen Alltag zielen.
Voraussetzungen für die Teilnahme an einem Aufbaukurs ist die Teilnahme an einem Grundkurs oder einer vergleichbaren Qualifikation (mindestens drei unterschiedliche Fachseminare mit einer Seminardauer von insgesamt vierzehn Seminartagen). Über die konkreten Voraussetzungen und die Eignung wird in einem Gespräch mit den anbietenden Organisationen beraten. In der Regel wird ein Mindestalter von 25 Jahren sowie Offenheit für Spiritualität erwartet. Die Eigenverantwortung der Teilnehmer/innen ist eine wichtige Grundlage für die Ausbildung und für die Erreichung der Ausbildungsziele und wird in Form eines Lehrvertrages festgehalten.
Die inhaltlichen, pädagogischen und strukturellen Rahmenbedingungen der Ausbildung entsprechen den Standards des QVB.
Ausbildung zur Trainerin/ zum Trainer
Die Ausbildung zur Trainerin/ zum Trainer für zivilfreie, gewaltfreie Konfliktbearbeitung soll zur eigenständigen pädagogischen Arbeit im Bereich der zivilen, gewaltfreien Konfliktbearbeitung im nationalen und/ oder nternationalen Kontext befähigen. Dies erfordert folgende Kompetenzen:
- den Konflikt verstehen, visualisieren und benennen können (theoretische Kompetenz)
- Methoden, um gesellschaftliche und kulturelle Konflikte konstruktiv umwandeln können (Handlungskompetenz)
- bewußtseinsbildende Seminare zur konstruktiven Konfliktbearbeitung durchführen können (pädagogische Kompetenz)
Mit Hilfe des Trainings können Menschen ihre Interessen in die Gesellschaft einbringen, um sie mitzugestalten. Trainingsarbeit nutzt die humanistischen Ansätze, wie z.B. die Gestaltpsychologie, den systemischen Ansatz, die Transaktionsanalyse, die Gemeinwesenarbeit, die Soziologie, die befreiende Theologie und nicht zuletzt die vielfältigen Erfahrungen sozialer Bewegungen. Die Ausbildung zur Trainerin/ zum Trainer ist geeignet für Menschen mit pädagogischer Erfahrung, die Absolventen/innen von Grundkursen in ziviler, gewaltfreier Konfliktbearbeitung sind oder vergleichbare Qualifikationen und Erfahrungen vorweisen können. Die Ausbildung wird in einer internationalen und einer nationalen Variante angeboten und dauert mindestens 35 Seminartage. In den Standards ist eine vollständige Übersicht der ausbildungsrelevanten Themen enthalten.
Schalomdiakonat/ Friedensfachkraft
Die Fortbildung zum Schalomdiakonat dient dazu, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für Dienste für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung im In- und Ausland zu qualifizieren, ehrenamtlich oder beruflich, langfristig oder kurzfristig.
Die Kurse zielen auf eine Erweiterung der Kompetenzen der für das Schalomdiakonat relevanten Bereiche:
- Ökumenische Spiritualität
- Tradition der Gewaltfreiheit
- Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit
- Methoden gewaltfreien Handelns
Dabei wird ein Lernen auf vier Erfahrungsebenen angestrebt:
Wissen:durch Referate, Erfahrungsaustausch und direktes Erleben ein fundiertes Wissen erwerben
Können: in Übungen und im gemeinsamen gestalten des Miteinanders Methoden gewaltfreien Handelns anwenden lernen
Sein: in der Auseinandersetzung mit der Gruppe und den Inhalten des Kurses die eigene Persönlichkeit weiterentwickeln
Vision: Räume für Dialoge über Quellen der Hoffnung, Kraft und Spiritualität gestalten; Visionen für eigenes gewaltfreies Engagement (weiter-)entwicklen; im gemeinsamen Gestalten von Feiern und Andachten persönliche und gesellschaftliche Perspektiven entwickeln.
Der Kurs findet berufsbegleitend oder kompakt in einer festen Gruppe statt und besteht aus ca. 50 Seminartagen. Ausführliche Informationen zu den Themen und Zielen der Ausbildung bietet der Oekumenische Dienst Schalomdiakonat.
Alle Themen der Grund- und Aufbaukurse zum Schalomdiakonat greifen zwar ineinander, aber es gibt einige, die so grundlegend für das Miteinander sind, dass sie den ganzen Kurs hindurch im Blick behalten werden sollen. Das sind die folgenden Querschnittsthemen: Gewaltfreiheit, Spiritualität, Gender und Interkulturalität. Sie können zusätzlich noch als eigene Programmpunkte auftauchen - gemeinsam ist ihnen, dass sie zu jedem Zeitpunkt mitgedacht werden und gelegentlich in den Vordergrund treten können.
Grundlagen gewaltfreien Handelns
In unseren Kursen beschäftigen wir uns zunächst mit spirituellen Grundlagen der Gewaltfreiheit; obgleich dabei auch historisches Wissen vermittelt wird, geht es doch vor allem um „Sein“ und „Vision“, um die eigenen Werte und Ziele im Zusammenhang mit Gewaltfreiheit. Darauf folgt die Auseinandersetzung mit den Grundlagen des gewaltfreien Umgangs mit Konflikten. Hierzu gehört auch die Erweiterung der eigenen Kommunikationskompetenz als Voraussetzung für das Gelingen von Begegnung und Konfliktbearbeitung. Anschließend erarbeiten wir anhand von konkreten Beispielen und praktischen Übungen die Grundlagen gewaltfreien Widerstehens gegen Unrecht und Gewalt. Diese Arbeit zielt auf den Erwerb von Handlungskompetenz, sowohl im persönlichen als auch im politischen Bereich. Themen sind:
- Spirituelle Grundlagen der Gewaltfreiheit
- Gewaltfreier Umgang mit Konflikten
- Gewaltfreier Umgang mit Unrecht und Gewalt
Vertiefung und Anwendung in verschiedenen Praxisfeldern
Der Aufbaukurs bietet Gelegenheit, in verschiedenen Feldern die bereits vorhandenen berufsfachlichen und personalen Kompetenzen zu vertiefen und zu erweitern. Dabei liegt es jeweils bei den Teilnehmer/innen der Kurse, ihre persönlichen Ziele zu formulieren und Schwerpunkte des gemeinsamen Lernens zu finden.Themenfelder sind:
- Eigene Identität und Rollen
- Konfliktanalyse
- Konstruktive Konfliktbearbeitung in sozialen/ gesellschaftlichen Konflikten
- Interreligiöser Dialog
- Empowerment
- Menschenrechte
- Traumaarbeit
- Umgang mit Gewalt
- Seminarplanung und Teamarbeit
- Grundlagen der Projektarbeit
Umsetzung und Abschluss
Welche Erfolge eine „Friedensfachkraft“ bzw. ein/e Schalomdiakon/in in ihrer oder seiner Arbeit erleben kann, das hängt nicht ausschließlich von den fachlichen Qualifikationen ab. Ein wesentlicher Teil der Aufgaben des OeD/ Schalomdiakonat besteht in der Arbeit in und mit sozialen Organisationen. Deshalb ist die Kompetenz zur konstruktiven und effektiven Mitarbeit in Team-Zusammenhängen ein zentrales Lernziel, das nach der Phase der Vertiefung und Anwendung umgesetzt werden soll. Dazu gehört die Fähigkeit, innerhalb der eigenen Organisation und bei anderen Organisationen
- Strukturen und Mechanismen zu erkennen, Prozesse zu reflektieren und zu steuern und damit Reibungsverluste in Arbeitszusammenhängen zu verringern
- die Klarheit über die eigene Rolle und den eigenen Hintergrund
- die Fähigkeit, Konflikte und Verletzungen auszuhalten und mit ihnen konstruktiv umzugehen.
Themen:
- Konfliktbearbeitung in Gruppen und sozialen Organisationen
- Bilanz und Auswertung, Perspektive und Vision
- Abschied
Informations- und Einführungsveranstaltungen und Fachseminare
Die Informations- und Einführungsveranstaltungen sind eher kurze Veranstaltungen wie Vorträge oder Workshops allgemeiner Art. Fachseminare qualifizieren die Teilnehmer/ innen auf einzelnen Gebieten der Konfliktbearbeitung. Sie zeichnen sich durch die Arbeit an einem konkreten Thema aus. Alle Veranstaltungen orientieren sich an den pädagogischen Prinzipien der Grund- und Aufbaukurse.

