Dekade zur Überwindung von Gewalt
Gewalt! Ein Wort, das Emotionen auslöst. Ein Wort, das so vieles anspricht, was Menschen, zwischenmenschliche Beziehungen und die Natur verletzt und zerstört. Wir müssen feststellen, dass – trotz technischer u.a. Fortschritte – der Respekt der Menschen füreinander eher abnimmt, ethische, sexuelle, rassische, wirtschaftliche und ökologische Gewalt immer mehr zunehmen. Die Kultur der Gewalt schreit uns entgegen, von Bildschirmen und Zeitungen. Wir sind in ihr gefangen, doch wir wehren uns und versuchen, ihr zu widerstehen.
Übersicht
Aufgabe der Dekade und Aufruf zur Beteiligung
Im Dezember 1998 rief die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Harare (Simbabwe) für die Jahre 2001 bis 2010 die "Ökumenische Dekade zur Überwindung von Gewalt" aus. Sie ist Teil des Engagements für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. "Wir sind der festen Überzeugung, dass die Kirchen aufgerufen sind, vor der Welt ein klares Zeugnis abzulegen von Frieden, Versöhnung und Gewaltlosigkeit, die auf Gerechtigkeit gründet. ... Wir müssen aufhören, reine Zuschauer der Gewalt zu sein oder sie lediglich zu beklagen", so die Botschaft des Zentralausschusses des ÖRK. Am 4. Februar 2001 hat der Zentralausschuss die Dekade in Berlin offiziell eröffnet.
Die Dekade soll bestehende kirchliche, ökumenische, säkuläre und zivilgesellschaftliche Friedensnetzwerke stärken, dazu ermutigen, neue Netzwerke aufzubauen und eine bessere Verständigung und Verknüpfung aller Beteiligten fördern. Sie ist zugleich auch persönliche Einladung und Appell an jeden und jede, sich ganzheitlich mit dem breiten Spektrum von direkten und strukturellen Gewaltformen unserer Lebenswelt auseinanderzusetzen und dabei gemeinsam mit anderen auf lokaler, regionaler und weltweiter Ebene konstruktive und kreative Wege zu entdecken und zu entwickeln, um sie zu überwinden und stattdessen eine Kultur der Gewaltlosigkeit und des Friedens zu schaffen.
Es werden Berührungspunkte mit den Zielen, den Programmen und der Konzeption der UN-Dekade für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit für die Kinder der Welt (2001-2010) gesucht. Der ÖRK hat jährliche wechselnde regionale Schwerpunkte festgelegt, für 2006 Lateinamerika und für 2007 Europa.
Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland e.V. (ACK) sowie Ökumenische Basisgruppen und Initiativen wie die AGDF unterstützen die Dekade.
Inhaltliche Ziele der Dekade
Die folgenden Ziele sind im Rahmenkonzept des ÖRK formuliert:
- Ganzheitliche Auseinandersetzung mit dem breiten Spektrum sowohl direkter als auch struktureller Gewalt
- Aufforderung an die Kirchen, Geist, Logik und Ausübung von Gewalt zu überwinden, auf jede theologische Rechtfertigung von Gewalt zu verzichten und erneut die Spiritualität von Versöhnung und aktiver Gewaltlosigkeit zu bekräftigen
- Gewinnung eines neuen Verständnisses von Sicherheit im Sinne von Zusammenarbeit und Gemeinschaft statt Herrschaft und Konkurrenz
- Lernen von der Spiritualität Andersgläubiger und ihren Möglichkeiten, Frieden zu schaffen, Zusammenarbeit mit Gemeinschaften Andersgläubiger bei der Suche nach Frieden
- Protest gegen die zunehmende Militarisierung unserer Welt
Bewertung der Dekade und Vorbereitung der Internationalen Ökumenischen Friedenskonvention
Die Dekade ist weltweit sehr unterschiedlich aufgenommen worden und hat insgesamt bisher kaum Wirkung über die Kirchen und ökumenischen Bewegungen hinaus entfalten können. In Deutschland gab und gibt es vor allem ein vielfältiges Engagement von evangelischen Kirchen und ökumenischen Basisinitiativen.
Die ACK und Ökumenische Basisgruppen und Initiativen veranstalteten vom 8. bis 10. Februar 2010 in Freising zum Ende der Dekade eine Ökumenische Konsultation, um Bilanz zu ziehen und die Internationale Ökumenische Friedenskonvention 2011 (s.u.) vorzubereiten.
Die 700 Delegierten aus weltweit 348 Kirchen erklärten auf der Vollversammlung der ÖRK in Porto Allegre: "Gemeinsam mit der ganzen ökumenischen Bewegung verpflichten wir uns aufs Neue, für eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit zu arbeiten und Gewalt zu überwinden, der wir in unserem Leben begegnen". Der ÖKR lädt zum Abschluss der Dekade zu einer Internationalen Ökumenischen Friedenskonvention vom 16.-25. Mai 2011 nach Kingston/Jamaika ein. Sie steht unter dem Motto "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden" und soll eine "Ökumenische Erklärung zum gerechten Frieden" verabschieden. ( Gewalt überwinden)
Beitrag der AGDF
Die AGDF sieht ihre Arbeit in der Perspektive des Konziliaren Prozesses für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. Sie versteht ihre Aktivitäten als einen Beitrag zur Dekade zur Überwindung von Gewalt und wirkt an der Gestaltung des Prozesses in Deutschland mit. So arbeitet sie mit Kirchen und Initiativen im „Offenen Forum DOV“ zusammen und engagiert sich dafür, dass die Dekade beispielsweise beim 2 Ökumenischen Kirchentag 2010 in München präsent ist.



