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Handreichung zur Friedensdekade 2008 erschienen
Frieden riskieren: Illusion von Sicherheit und Chancen der Verwundbarkeit
Aus dem Vorwort von Horst Scheffler:
"Liebe Freundinnen und Freunde,
seit dem Jahr 1999 hat Johann-Henrich (Jo) Krummacher für die Handreichungen zur Friedensdekade die Liturgischen Anregungen verfasst. Am 25. Februar 2008 ist er nach kurzer schwerer Krankheit gestorben. (...)
Im Schlussgebet in den Liturgischen Anregungen zur letztjährigen Friedensdekade ermutigte Krummacher in den Fürbitten, einzutreten für die, die keinen Fürsprecher haben, und entgegenzutreten denen, die Hass predigen und zur Gewalt trommeln. An diese Fürbitte schließt an die Bitte um Gottes Beistand und Schutz für die, die sich in schwierigen Konfliktsituationen unter Gefahr für ihr eigenes Leben einschalten, damit der Respekt vor der Würde der Menschen und die Toleranz Chancen erhielten. Bemerkenswert ist, dass hier der Einsatz für den Frieden als Handeln in die Gefahr hinein unter Einsatz des eigenen Lebens gewertet ist, also in Worten, mit denen sonst der Einsatz von Soldaten und Polizisten beschrieben wird.
Das Motto der Friedensdekade 2008 „Frieden riskieren“ stößt nun an, diesen Gedanken weiter zu verfolgen. Im allgemeinen Sprachgebrauch deutet ein Risiko auf eine Gefahr hin. Ein Risiko benennt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Geschehen schlecht endet, gibt eine kalkulierte Prognose für einen möglichen Schaden bzw. Verlust im negativen Fall. Oftmals sind unterschiedliche Risiken einander abzuwägen. Der Gegenbegriff zum Risiko heißt Sicherheit. Doch längst ist das Streben nach Sicherheit, nach einem Leben ohne Risiken, zum Risiko geworden. Dabei gilt, je absoluter die Sicherheit werden soll, umso größer wird das Risiko. Gerade für den Frieden ist das Streben nach absoluter Sicherheit ein Risiko. Deshalb ist Sicherheitspolitik nicht zugleich auch Friedenspolitik. An Dietrich Bonhoeffers Mahnung im Jahr 1934 auf der ökumenischen Konferenz in Fanö, Frieden und Sicherheit nicht zu verwechseln, ist immer wieder zu erinnern: „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit. Denn Friede muss gewagt werden, ist das eine große Wagnis, und lässt sich nie und nimmer sichern. Friede ist das Gegenteil von Sicherung.“ Wenn Bonhoeffer den Frieden als ein Wagnis ansah, dann tat er dies, weil Friede heißt, „sich gänzlich ausliefern dem Gebot Gottes, keine Sicherung wollen, sondern in Glaube und Gehorsam dem allmächtigen Gott die Geschichte der Völker in die Hand legen und nicht selbstsüchtig über sie verfügen wollen.“ "
Aus dem Artikel von Jan Gildemeister:
"Der Wunsch nach Sicherheit ist vermutlich so alt wie die Menschheit. Unerklärliche Phänomene, unkontrollierbare Naturkatastrophen und vermeintliche oder reale Bedrohung der eigenen Unversehrtheit lösen Ängste aus, und Angst führt zu dem natürlichen Wunsch, diese Gefahren abzuwehren. Doch totale Sicherheit ist eine Illusion und in Verwundbarkeit liegen Chancen."
Aus dem Inhaltsverzeichnis:
Frieden riskieren: Illusion von Sicherheit und Chancen der Verwundbarkeit
Jan Gildemeister (Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden)
Kleine Schritte für den Frieden
Roland Schüler (Friedensbildungswerk Köln)
Zivilgesellschaft in Gefahr
Adam Muminovic (peace brigades international)
Friedensarbeit im Nahost-Konflikt
Clemens Ronnefeldt (Internationaler Versöhnungsbund)
Atomwaffen bei uns – gibt's die noch?
Wolfgang Schlupp-Hauck (Friedenswerkstatt Mutlangen)
Die Verweigerung des „Warum“
Anstöße 2008 angesichts der Novemberpogrome 1938
Helmut Ruppel (Aktion Sühnezeichen Friedensdienste)
Predigthilfe
Albert Schäfer
Liturgische Anregungen
Friedhelm Schneider
Die Handreichung für Kirchengemeinden erscheint jährlich, sie hat 40 Seiten und ist für Kirchengemeinden kostenlos. Bestellungen bitte an agdf (@) friedensdienst.de oder über unsere Infomaterialseite.
- Dateien:
Friedensdekade_2008.pdf


