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30 Jahre : Frieden schaffen ohne Waffen
Ein Bericht aus der Geschichte der AGDF von der DFG-VK.
Das Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ wurde im Juni 1978 anlässlich von Gegenaktionen zu Bundeswehr-Ausstellungen von Ulli Thiel, dem damaligen Geschäftsführer des baden-württembergischen Landesverbandes der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) ins Leben gerufen. Es bestimmte danach die inhaltliche Ausrichtung der Friedensarbeit des Landesverbandes und seiner Gruppen. 1979 übernahm der DFG-VK-Bundesverband den Slogan für eine Abrüstungskampagne.
1980 stellten dann die beiden der Evangelischen Kirche nahestehenden Organisationen „Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste“ (ASF) und die „Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden“ (AGDF) die bundesweiten Friedenswochen, die ab da jedes Jahr in mehreren hundert Orten der Bundesrepublik stattfanden, unter diese Forderung. Dies trug in sehr starkem Maße zum Bekanntwerden des „Frieden schaffen ohne Waffen“ bei. ASF brachte zur Mobilisierung für die Friedenswochen zahlreiche Materialien mit dem neuen Motto in Umlauf, z.B. Aktionshandbücher, Leitfäden, Plakate, Aufkleber, Buttons, Jutetaschen, usw. Ein ASF-Mitarbeiter textete und komponierte das Lied „Frieden schaffen ohne Waffen“, das dann bei vielen Friedensveranstaltungen gesungen wurde.
Zur gleichen Zeit fand dieser Slogan Eingang in die Friedensbewegungen der DDR, der Schweiz und Österreichs und deren Aktionen. Das Motto war bald so populär, dass sogar die Regierungschefs beider deutscher Staaten glaubten, „Frieden schaffen ohne Waffen“ aufgreifen und verändern zu müssen. Kohl in seiner ersten Regierungserklärung 1982 : „Frieden schaffen mit immer weniger Waffen“ – Honecker : „Frieden schaffen gegen NATO-Waffen“.
In vielen Medien und später auch in (Schul-)Büchern wurde „Frieden schaffen ohne Waffen“ zum Synonym für die große Friedensbewegung der 80-er Jahre. Wer heute die vier Wörter in Google eingibt, erhält ca. 36.000 Treffer.
Mit der „Schöpfung“ dieses Mottos hat die DFG-VK Baden-Württemberg sicherlich die Inhalte und die Aktionen großer Teile der deutschsprachigen Friedensbewegung mitgeprägt. Und dass es ausgerechnet im Südwesten zur Initiierung des „Frieden schaffen ohne Waffen“ kam, war auch durch die damalige friedenspolitische Situation bedingt : der Landesverband orientierte sich in den 70-er Jahren sehr stark an dem von der Friedensforschung geprägten Begriff des „positiven Frieden“, nach dem die Abwesenheit von Krieg noch kein Friede ist - statt dessen gilt es, Frieden zu entwickeln (zu schaffen). Und nach Auffassung der baden-württembergischen DFG-VK konnte dies nur mit Mitteln erreicht werden, die mit dem Ziel übereinstimmen, also : Frieden schaffen ist nur ohne Waffen möglich.
Das neue Motto stieß anfangs nicht nur auf Zustimmung. Von einigen Gruppierungen der Friedensbewegung wurde es sogar abgelehnt, denn sie orientierten sich eher am Begriff des „negativen Frieden“ und bevorzugten statt dessen Slogans wie „Das Wettrüsten beenden !“ oder „Zukunft sichern – Abrüsten!“
Heute jedoch wird der noch immer aktuelle Slogan „Frieden schaffen ohne Waffen“ von allen Teilen der Friedensbewegung uneingeschränkt befürwortet. Zu dieser Akzeptanz haben sicherlich auch die weltweiten Interventionen der Bundeswehr und anderer Armeen beigetragen. Durch dieses militärische Eingreifen konnte nirgendwo Frieden geschaffen werden – ganz im Gegenteil : Der Einsatz von Waffen hat bestehende Konflikte noch verschärft und den Frieden in immer weitere Ferne geraten lassen. – Die vielen Toten, die alltägliche Gewalt und die große Not in Afghanistan, im Irak und in anderen Besatzungsgebieten führen bei immer mehr Menschen zu der Überzeugung, dass man nur „ohne Waffen Frieden schaffen“ kann.
Weitere Informationen hierzu enthält der Artikel von Ulli Thiel „Frieden schaffen ohne Waffen – Die Idee der Friedenswochen“, der im 2001 erschienenen Buch „20 Jahre Friedensdekade“ veröffentlicht wurde. Diese Dokumentation wurde herausgegeben von Pfarrer Uwe Koch (Magdeburg) – im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) und der AGDF.
Anlässlich des 25. Jahrestages der Menschenkette zwischen Stuttgart und Neu-Ulm, die 1983 ebenfalls von der DFG-VK Baden-Württemberg initiiert und maßgeblich mitorganisiert wurde, führt der Landesverband am 17./18. Oktober 2008 unter dem Motto „Frieden schaffen ohne Waffen“ ein dreiteiliges Programm durch :
- eine inhaltliche Abendveranstaltung am 17. Oktober in Ulm
- eine Fahrradtour auf der ungefähr 100 km langen Wegstrecke der Menschenkette von Ulm nach Stuttgart am 18. Oktober
- sowie eine kulturelle Abendveranstaltung am Abend des 18. Oktober im Stuttgarter Theaterhaus.
Roland Blach, Landesgeschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg,
Haußmannstr. 6, 70188 Stuttgart, Tel. 0711-2155112, eMail : ba-wue@dfg-vk.de


