Projekt "Vorrang für Gewaltfreiheit"
Seit Jahrzehnten setzen sich Kirchen und Friedensorganisationen gewaltfrei für die Überwindung von Ungerechtigkeit, Gewalt und Unfreiheit auf der Welt ein. Die Bedeutung der zivilen Konfliktbearbeitung ist in den letzten Jahren gestiegen. Dabei wird diese aber oft nicht als Alternative, sondern nur als Ergänzung zu militärischen Einsätzen gesehen. Obwohl gewaltfreie und zivile Methoden bereits vielfältig in Krisensituationen kriegerische Auseinandersetzungen verhindert haben und ihre Nachhaltigkeit und Effizienz unter Beweis stellen konnten, sind es nach wie vor die militärischen Einsätze, die in Politik und breiter Öffentlichkeit als das Mittel der Wahl dargestellt werden.
Demgegenüber dieser Überzeugung soll durch das 2006 von der AGDF gestartete Projekt „Vorrang für Gewaltfreiheit!“ deutlich gemacht werden, dass aus ethischen und rationalen Gründen grundsätzlich ziviler, gewaltfreier Konfliktbearbeitung Priorität eingeräumt werden muss. Dafür wurde das Grundlagenpapier „Gewaltfrei streiten für einen gerechten Frieden. Plädoyer für zivile gewaltfreie Konflikttransformation“ erarbeitet und als Buch herausgegeben:
Das Buch zeigt Alternativen zu militärischen Einsätzen und gibt Akteuren aus Politik und Kirche konkrete Handlungsempfehlungen zur Stärkung des zivilen Umgangs mit Konflikten.
Weitere Informationen und Bestellmöglichkeit.
Die Entwurf des Grundlagenpapiers wurde zunächst in der Evangelischen Kirche beraten. Dazu fand am 23.11.2007 in Berlin eine Konsultation „Vorrang für Gewaltfreiheit! - Kirche als Akteur für Krisenprävention und Konfliktbearbeitung“ statt. Die Beiträge sind als Tagungsdokumentation erschienen.
Auf einem Workshop kirchlicher Träger am 9./10. Oktober 2008 in der Evangelischen Akademie im Rheinland in Bonn-Bad Godesberg trafen sich kirchliche Akteure der zivilen Konfliktbearbeitung im Ausland. Die grundlegende Erkenntnis, dass „Frieden von unten wachsen muss“, bedeutet, dass vor allem die Partner im Süden in ihren Friedensprozessen unterstützt werden. Dafür braucht es ein selbstbewusstes und unabhängiges Handeln der zivilgesellschaftlichen Akteure in Deutschland, um der zunehmenden Logik des „Frieden Machens“ durch zivile oder gar militärische Interventionen, die vor allem im staatlichen Denken vorherrscht, entgegenzutreten. Kirche sollte dies unterstützten durch die Bereitstellung eines Fonds für ZKB im Ausland, um unabhängig von staatlichen Mitteln Friedensarbeit zu ermöglichen, und durch die Stärkung der Lobby- und Advocacyarbeit der Friedensdienste und ihrer Partner im politischen Diskurs in Berlin und Brüssel. Als Fürsprecher in der Politik sollte auch das neu geschaffene Amt des Friedensbeauftragten der EKD genutzt werden.

