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Religion zwischen Frieden und Gewalt

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Übersicht der Materialien

1. Mission und Gewalt – eine ambivalente Beziehung

Teilnehmende an der Weltmissionskonferenz in Athen erörtern die ambivalente Beziehung zwischen Mission und Gewalt. Doch die Antworten sind nicht einfach. "Gewalt ist nicht cool, Gewalt hat nichts Glanzvolles an sich", sagte Tiniyiko Maluleke, ein presbyterianischer Missionstheologe aus Südafrika vor dem Plenum der Konferenz für Weltmission und Evangelisation am Donnerstag, dem 12. Mai 2005. "Wir müssen uns dem gegenwärtigen Trend in unserer Kultur widersetzen, Gewalt als modisch und sexy hinzustellen", fügte er hinzu. Maluleke ging es dabei besonders um junge Menschen. Und es waren auch junge Teilnehmende, die zu Beginn der Sitzung Symbole für die Allgegenwart der Gewalt auf das Podium brachten: Gewalt, die mit der wirtschaftlichen Globalisierung einhergeht oder mit der zunehmenden Verbreitung von Waffen, mit Umweltzerstörung oder mit der Haltung gegenüber Frauen. Was hat Gewalt mit den Kirchen zu tun? Eine ganz Menge, wie Viola Raheb, eine lutherische Theologin aus Palästina meint. "Wir können nicht unsere Augen vor der Gewalt verschließen, der Menschen 24 Stunden am Tag und Tag für Tag ausgesetzt sind", erklärte sie. Sie schilderte die Situation in den besetzten palästinensischen Gebieten und meinte: "Es reicht nicht aus, dass die Kirchen die Ursachen der Gewalt benennen, sie müssen sie auch aktiv und gewaltlos angehen."

Eine tief verwurzelte Ambivalenz

In der Plenarsitzung, die der komplexen Frage der ambivalenten Beziehung zwischen Mission und Gewalt gewidmet war, wurde auch die Halbzeit der Dekade zur Überwindung von Gewalt: Kirchen für Frieden und Versöhnung (2001-2010) gefeiert. Zu Beginn der Sitzung wurde in einem kurzen Video-Clip der Moment gezeigt, wo ein junger deutscher Delegierter auf der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Harare 1998 den ursprünglichen Vorschlag für eine solche Dekade machte. Sieben Jahre später stand Fernando Enns, ein mennonitischer Pastor, wieder vor einer ÖRK-Versammlung und erklärte erneut, dass die Kirchen sich dem Ziel verpflichten müssten, "in einer wahrhaftig gewaltsamen Welt" die Gewalt zu überwinden. "Es ist auch an der Zeit, ehrliche Bekenntnisse abzulegen", sagte er. "Manchmal haben sich unsere Kirchen von der Macht versuchen lassen und Unrecht und Gewalt theologisch gerechtfertigt. Wir sind in unseren jeweiligen Traditionen in die Irre gegangen, wenn die Mission der Kirche zur Gewalt in der Welt beigetragen hat."

Alix Lozano, mennonitische Pastorin aus Kolumbien, und einige andere, gehen sogar so weit zu sagen, dass die Begriffe Mission und Gewalt austauschbar geworden sind.. "Für uns in Kolumbien… ist die Gewalt (oder das Schwert) der ständige Begleiter der Mission (oder des Kreuzes) gewesen", sagte Lozano in einem persönlichen Zeugnis, das in ihrer Abwesenheit verlesen werden musste, da ihr ein Einreisevisum zur Konferenz verweigert worden war. Zwischen christlichem Zeugnis und Gewalt besteht eine komplexe Beziehung, die bis zu den Wurzeln des Glaubens zurückverfolgt werden kann. "Wir müssen auch die biblischen Texte kritisch untersuchen, die von Gewalt handeln und ein Gottesbild zeichnen, das zur Legitimierung von Gewalt gedient hat und daher eine Herausforderung für uns darstellt", erklärte Raheb.
Die Bedeutung von Initiativen wie der Dekade liege darin, dass sie die Kirchen anhalte, "auf jede theologische Rechtfertigung von Gewalt zu verzichten" und "sich mit Gewalt in der Bibel auseinanderzusetzen, statt so zu tun, als gäbe es sie nicht", fügte Maluleke hinzu.

Angst und Leidenschaft

Warum nun erliegen Christen der Versuchung der Gewalt? Aus Angst, antwortete Janet Plenert, eine mennonitische Pastorin aus Kanada, die auch an der Podiumsdiskussion teilnahm. "Angst ist die wichtigste und tiefste Ursache für Gewalt. Wir hören auf Stimmen, die Selbsterhaltung, rassische Überlegenheit und nationale Sicherheit predigen, weil wir Angst haben."
Angst funktioniert in unterschiedlichen Kontexten auf unterschiedliche Weise. "In Palästina stellt Angst eine psychologische Waffe dar", sagte Raheb. "Ich habe die Angst nicht überwunden und glaube nicht, dass mir das jemals gelingen wird, aber ich habe gelernt zu akzeptieren, dass sie immer da sein wird."
Die Frage der Angst war nicht das einzige Problem, auf das das Podiumsgespräch keine abschließende Antwort geben konnte. Aber es hatte auch von Anfang an nicht das Ziel verfolgt, alle Fragen zu klären. Eine gewisse Ambivalenz wird immer bleiben Um damit leben zu können, ist Leidenschaft von Nöten. "Die Dekade zur Überwindung von Gewalt ruft die Kirchen auf, wieder ein Bewusstsein, ja ein leidenschaftliches Engagement für die Frage der Gewalt zu entwickeln", erklärte Maluleke vor der Versammlung.
Er erinnerte die Teilnehmenden daran, dass diese Leidenschaft darin begründet ist, dass "Gottes Ebenbild dort am sichtbarsten wird, wo die Menschen der größten Gewalt ausgesetzt sind". Lozano hatte dazu schon in ihrem persönlichen Zeugnis erklärt: "Die Mission Gottes kann in einem Kontext der Gewalt gelebt werden", wenn "Christen sich dem Willen Gottes unterwerfen, der immer auf der Seite der Armen, Bedürftigen, Verfolgten und Ausgegrenzten steht".
Als die Jugendlichen, die zu Beginn die Symbole der Gewalt herein getragen hatten, brennende Kerzen aufs Podium trugen, brachte die Versammlung dieses Anliegen vor Gott und sang das Lied zum Thema der Konferenz: "Komm, Heiliger Geist, heile und versöhne".
Ein Bericht aus der Weltmissionskonferenz des Ökumenischen Rats der Kirchen im Mai 2005 in Athen von Juan Michel, Medienbeauftragter des ÖRK
Kontakt: Ecuspace (mailto: media@wcc-coe.org)

 

2. Juden, Christen und Muslime für wahren Frieden im Heiligen Land

1. „Im Namen Gottes des Allmächtigen und des Barmherzigen beten wir, die wir uns an diesem Ort als religiöse Oberhäupter der islamischen, christlichen und jüdischen Gemeinschaften versammelt haben, für einen wahren Frieden in Jerusalem. Wir fühlen uns verpflichtet, die Gewalt und das Blutvergießen zu beenden, welche den Menschen das Recht auf Leben und Würde nehmen
Nach den Traditionen unseres Glaubens bedeutet das Töten Unschuldiger im Namen Gottes eine Entweihung Seines Heiligen Namens und eine Diffamierung der Religion in dieser Welt. Die Gewalt im Heiligen Land ist ein Übel, dem sich alle in gutem Glauben handelnden Menschen widersetzen müssen. Wir streben danach, als Nachbarn zusammenzuleben, welche die Integrität unseres gegenseitigen historischen und religiösen Erbes respektieren. Wir rufen alle auf, sich gegen Hetze, Hass und falsche Darstellung der anderen Seite zu wenden.
Das Heilige Land ist unseren drei Glaubensgemeinschaften heilig. Deshalb müssen die Angehörigen der göttlichen Religionen die Heiligkeit des Landes respektieren und verhindern, dass dieses durch Blutvergießen beschmutzt wird. Die Heiligkeit und Integrität der Heiligen Stätten müssen bewahrt und die Freiheit der Religionsausübung gewährleistet werden. Palästinenser und Israelis müssen den heiligen Ratschluss des Schöpfers respektieren, dank dessen Gnade sie in dieser Region, genannt Heiliges Land, leben.

Wir rufen die politische Führung beider Völker auf, sich für eine gerechte, sichere und dauerhafte Lösung im Geiste Gottes und der Propheten einzusetzen. (...)
Wir streben danach, eine Atmosphäre zu schaffen, in der die jetzigen und künftigen Generationen in gegenseitigem Respekt und Vertrauen zusammenleben können. Wir rufen alle dazu auf, von Hass und Dämonisierung abzusehen und die künftigen Generationen entsprechend zu erziehen. Als religiöse Oberhäupter geloben wir, das gemeinsame Streben nach einem gerechten Frieden fortzusetzen. Dieser soll zu einer Versöhnung in Jerusalem und im Heiligen Land führen, zum gemeinsamen Wohl aller unserer Völker.
(...)
Erklärung der Oberhäupter der drei monotheistischen Religionen im Heiligen Land, unterzeichnet am 21.Januar 2002 in Alexandria
(Aus: Hans Hermann Henrix „Wider die Indienstnahme der Religionen durch Hass und Gewalt“, Freiburger Rundbrief Nr.3, 2002)

 

3. Ökumenischer Freiwilligendienst in Palästina und Israel

Der Ökumenische Rat der Kirchen hat im Rahmen der Dekade zur Überwindung der Gewalt ein Ökumenisches Begleitprogramm in Israel und Palästina (EAPPI) ins Leben gerufen. Damit wollen die Kirchen Freiwillige gewinnen, die für drei Monate gewaltfreie israelische und palästinensische Aktionen begleiten. Vorausgegangen war der dringende Ruf der Kirchen in Jerusalem nach internationaler Solidarität.
Die ökumenischen Begleiterinnen und Begleiter zeigen durch ihre Anwesenheit, dass die Kirchen weltweit mit den Menschen der Region verbunden sind. Außerdem sollen sie informieren: Ihre Berichte machen auf die täglichen Menschenrechtsverletzungen aufmerksam. Sie erzählen, wie sich Menschen auf beiden Seiten bemühen, Gewalt zu beenden und Zeichen der Hoffnung zu sein. Bewerben Sie sich über das Evangelische Missionswerk in Südwestdeutschland (EMS), das Berliner Missionswerk (BMW) und die katholische Friedensbewegung Pax Christi. Die deutsche Beteiligung an EAPPI liegt in Verantwortung dieser Organisationen und wird unterstützt durch den Evangelischen Entwicklungsdienst (EED), Brot für die Welt, das Evangelische Missionswerk (EMW), die katholische Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AG EH) und andere kirchliche Stellen sowie durch Spenden.

Der Freiwilligendienst ÖFPI
Freiwillige, die am ÖFPI teilnehmen, leben in einer Kirche, kirchlichen Institution oder Nichtregierungsorganisation im Westjordanland, im Gazastreifen oder in Israel, die sich für eine gerechte Lösung des Israel-Palästina-Konflikts einsetzt. Ihre Gegenwart zeigt die Verbundenheit der Christen weltweit. Darüber hinaus kann sich eine Mitarbeit in der gastgebenden Organisation ergeben.
Freiwillige begleiten Schülerinnen und Schüler zur Schule und Kranke ins Krankenhaus und schützen sie durch ihre gewaltfreie Präsenz. Sie können mit ihren gastgebenden Organisationen und abgestimmt mit dem Koordinationsbüro des Weltkirchenrats in Jerusalem an gewaltfreien Widerstandsaktionen von palästinensischen und israelischen Gruppen teilnehmen. Sie können Menschenrechtsverletzungen und Verstöße gegen internationales Recht notieren. Ein wichtiger Teil der Arbeit besteht in der Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland, besonders nach der Rückkehr.
Das Koordinationsbüro des Weltkirchenrats in Jerusalem organisiert und koordiniert den Einsatz, bereitet die Freiwilligen vor Ort vor und begleitet sie.

Ziele des Dienstes
- die weltweite christliche Verbundenheit für eine gerechte und gewaltfreie Lösung des israelisch-palästinensischen Konfliktes bezeugen
- die Kirchen und ihre Friedensarbeit stärken
- Solidarität mit palästinensischen und israelischen Friedensaktivisten ausdrücken
- wo möglich zur Deeskalation beitragen, um Brutalität und Gewalt gegen Zivilisten und die Demütigung zu beenden
- zur Einhaltung von Menschenrechten und Internationalem Recht beitragen
- das internationale öffentliche Bewusstsein für die Gewalt der Besatzung und ihre Auswirkungen schärfen
- die öffentliche Berichterstattung und Meinung in Deutschland ergänzen
- aktiv bezeugen, dass gewaltfreier Einsatz für Gerechtigkeit und Frieden möglich ist.

(Programminformationen und Bewerbungsunterlagen unter www.eappi.org)

 

4. Gegen Terror und Gewalt

„Der erneute Versuch einer Terrortat in Spanien erfüllt uns mit Abscheu für solche Terrorakte und zugleich mit großer Sorge um den Frieden in der Welt und in Europa.
Wir nehmen dies zum Anlass, unsere grundsätzliche Haltung gegen Terror und Gewalt, die wir eindeutig nach dem 11. September 2001 und dem 11. März 2004 geäußert haben, ein weiteres Mal in aller Deutlichkeit kundzutun. Wir verurteilen jede Art von Terrorismus und sehen darin sowohl einen abgrundtiefen Verfall aller Maßstäbe der Menschlichkeit und der Vernunft als auch einen Widerspruch zu den Lehren aller Offenbarungsreligionen.
Dass auch Muslime hinter terroristischen Gräueltaten stecken und sich dabei auf den Islam berufen, macht uns mehrfach betroffen: Ihr Verbrechen an Unschuldigen versetzt die Muslime - wie alle anderen Menschen auch - in Schock und Trauer...Ihren blinden Taten fallen wahllos Christen, Juden und Muslime; Frauen und Männer; Greise und Kinder zum Opfer.
Wer immer solche blutigen Taten verübt, findet im Islam keine Rechtfertigung. Der Islam verbietet Mord, Geiselnahme, Anarchie und Terror.
Wer solche Verbrechen duldet, gutheißt oder gar deckt, macht sich der Mittäterschaft schuldig. Für solche Täter oder Mittäter wird es in unseren Gemeinden kein Verständnis, keinen Platz und keine Unterstützung geben. Gegen den Missbrauch unserer Religion lehnen wir uns auf und distanzieren uns von den Verbrechern.“

Eschweiler/Bonn, 5. April 2004
Dr. Nadeem Elyas, Zentralrat der Muslime in Deutschland                  
Ali Kizilkaya, Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland

 

5. Was ist religiöser Fundamentalismus?

„Was ist, was will und wozu führt dieser religiöse Fundamentalismus? Ich beschränke mich hier auf den religiös motivierten Fundamentalismus, suche also keine allumfassende Definition, die etwa auch auf weltanschaulich-politische Fundamentalismen aller Art zutreffen könnte. So viel dürfte über das Wesen des gewaltbereiten religiösen Fundamentalismus deutlich sein:

- (1) Er stellt eine Art von Flucht in die Sicherheit und Geschlossenheit selbst erkorener absoluter Fundamente dar.
- (2) Er schirmt sich ab gegen alle Arten von Infragestellung durch Aufklärung, Vernunft und Rationalität.
- (3) Er lehnt entschieden jeden Pluralismus der Auffassungen, Urteile, Sitten und Werte ab, der jedenfalls für die modernen demokratischen Gesellschaften kennzeichnend ist.
- (4) Friedensethisch beinhaltet er darüber hinaus die These, Krieg dürfe oder solle nach Gottes Willen sein. Unter Umständen müsse er sogar, um Gottes Willen, geführt werden. Ein solcher Krieg heißt dann „heilig“ oder zumindest „gerecht“.

Es gab gewaltbereiten Fundamentalismus nicht bloß vor tausend Jahren, als ein christlicher Papst mit seinem Ruf „Deus lo volt!“ (Gott will es) zu den Kreuzzügen aufrief, es gibt ihn auch heute noch. Und eben nicht nur im islamischen Raum. Sondern beispielsweise auch unter Juden, auch unter Hindus und auch unter Christen. Der Attentäter, der 1995 den damaligen israelischen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Yitzchak Rabin ermordete, erklärte, Gott selbst habe ihm den Auftrag zur Tat gegeben. In Indien gibt es einen sog. „Hindu-Faschismus“, der den Subkontinent von allen christlichen und islamischen Einflüssen säubern möchte und dabei vor Gewaltanwendung nicht zurückscheut, wie die Zerstörung der Moschee von Ayodhya im Bundesstaat Uttar Pradesh am 06.12.1992 exemplarisch zeigt. Hier waren Muslime die Opfer. Heiner Geißler hat kürzlich von gewaltbereiten amerikanischen Abtreibungsgegnern berichtet und diese als „christliche Ayatollahs“ bezeichnet.“
(Aus einem Statement des damaligen Vorsitzenden des Rats der EKD, Präses Manfred Kock, beim Evangelischen Arbeitskreis der CDU/CSU am 11. 03. 2003 in Berlin)

 

6. „Merci“ für einen islamistischen Täter

"Sollte es sich eines Tages ereignen, dass ich Opfer des Terrorismus werde, so wünsche ich, dass man (...) sich daran erinnert, dass mein Leben Gott und diesem Land geschenkt war. (...)Ich habe lange genug gelebt, um zu wissen, dass ich Komplize des Bösen bin, Komplize selbst des Bösen dessen, der mich blind erschlagen wird.
Ich wünsche, wenn dieser Moment gekommen ist, einen klaren Augenblick zu haben, um Gott und meine Menschenbrüder um Vergebung zu bitten und zugleich aus ganzem Herzen dem zu verzeihen, der daran ist, mich zu töten. – Ich wünsche keinen solchen Tod. Ich könnte mich nicht darüber freuen, dass dieses Volk, das ich liebe, unterschiedslos für meine Ermordung verantwortlich gemacht wird.
Das, was man vielleicht die ‚Gnade des Martyriums’ nennen wird, ist zu teuer erkauft, wenn man sie einem Algerier, wer immer er sei, verdankt, besonders dann, wenn er in Treue zu dem handelt, was er für den Islam hält. Ich kenne die Verachtung, mit der man unterschiedslos Algerier behandelt. Ich kenne auch die Karikatur des Islam, die ein gewisser Islamismus ermutigt. So werde ich also, wenn es Gott gefällt, meinen Blick in den des Vaters versenken, um mit ihm die Kinder des Islam zu betrachten, so, wie er sie sieht, erleuchtet vom Glanz Christi, Früchte seines Leidens, erfüllt mit der Gabe des Heiligen Geistes. (...) Für dieses verlorene Leben, das ganz mir und ganz ihnen gehört, danke ich Gott, der es scheinbar, trotz allem, für diese Freude gewollt hat. (...) In dieses merci, in dem nun alles über mein Leben gesagt ist, schließe ich euch alle ein. (...) Auch dich, Freund der letzten Minute, der du nicht gewusst haben wirst, was du tust. Ja, auch für dich wünsche ich dieses merci und das von dir beabsichtigte A-Dieu. Und dass es uns geschenkt sei, dass wir, glückliche Schächer, uns im Paradies wiederfinden, so wie Gott es will, der unser beider Vater ist. – Inch Allah!"
Aus dem Testament des Priors der Trappistenmönche von Thibirine in Algerien, die 1996 von der islamistischen GIA ermordet wurden (Sept vies pour Dieu et l' Algerie, Paris 1996, S.210 ff., Übersetzung: Hildegard Goss-Mayr)
Quelle: http://www.lebenshaus-alb.de/mt/archives/002801.html

 

7. Dialog zur Überwindung von Hass und Gewalt

„Die Fragen der Armen, der Gefangenen, der Kriege, der Angst und des Hasses sind zu uns gelangt. Vor unseren Augen und in unserem Herzen stehen die Leiden Afrikas und der armen Länder der Erde. Wir haben aus der Nähe die unmenschlichen Folgen der unbedachten Ausbeutung unseres Planeten gesehen. Wir kennen die enormen Möglichkeiten der Globalisierung und ihre Risiken, wenn sie ohne Seele betrieben wird. Wir sind in die Tiefe unserer religiösen Traditionen und der Erinnerung hinab gestiegen. Deshalb bestärken wir mit noch größerer Ernsthaftigkeit als gestern: Die Religionen rechtfertigen niemals Hass oder Gewalt (...). Der Weg zur Überwindung von Misstrauen und von Konflikten ist der Dialog. Bei keinem Menschen schwächt der Dialog die Identität, sondern er ruft jeden Mann und jede Frau dazu auf, im anderen das Beste zu sehen und sich in dem zu verwurzeln, was in einem selbst das Beste ist. Nichts geht jemals verloren durch den Dialog. Alles ist möglich durch den Dialog. Der Dialog – und wir wiederholen es – ist eine Medizin, die die Wunden der Trennung heilt und in der Tiefe unser Leben erneuert, während er jeden in der Wahrheit, im gegenseitigen Zeugnis, in der Liebe und in der Freundschaft verankert. Wir sind als Menschen, die den Frieden suchen, nach Lissabon gekommen, und wir haben in diesen Tagen eine Gemeinschaft wachsen sehen, wie sie die Welt braucht, die Gemeinschaft derer, die den Frieden suchen. Es ist eine Gemeinschaft aus verschiedenen Religionen, Geschichten, Sprachen und Wahrnehmungen. In ihr liegt unser Reichtum, sie ist unsere Zukunft. In dieser Gemeinschaft von Menschen, die den Frieden suchen, liegt der Same, der dazu hilft, menschlicher und gläubiger zu sein.“
(Die Römisch-katholische Gemeinschaft Sant’ Egidio in Rom veranstaltet in Abstimmung mit dem Vatikan regelmäßige Begegnungen zum interreligiösen Dialog. Aus dem Schlussappell der Begegnung in Lissabon vom 26. September 2000. Quelle: Frieden und Dialog zwischen den Religionen http:// www.santegidio.org)

 

8. Runder Tisch der Religionen in Stuttgart

Für ein friedliches und aktives Miteinander in Stuttgart
„Alle Bürgerinnen und Bürger Stuttgarts fordern wir auf, an der gemeinsamen Verantwortung für ein gedeihliches und friedvolles Zusammenleben der Menschen in unserer Stadt teil zu haben. Dazu gehören das tolerante Miteinander, das Akzeptieren fremder Sitten und Bräuche und vor allem der Respekt vor den religiösen Überzeugungen anderer. Der Runde Tisch der Religionen in Stuttgart sieht deshalb für die Religionsgemeinschaften in unserer Stadt eine besondere Verantwortung für das Zusammenleben aller.
In allen Religionen gibt es die Aufforderung zur Mitmenschlichkeit und zum Frieden, zur Achtung der Würde des einzelnen Menschen und zur Bewahrung der Schöpfung. Die gemeinsame Botschaft des Friedens, der Toleranz und der gegenseitigen Achtung zu fördern und auch in unserer Stadt wirksam werden zu lassen, ist die wesentliche Aufgabe des Runden Tisches der Religionen.
Dem dienen der Dialog der Religionsgemeinschaften über Sitten, Gebräuche und Traditionen, die Möglichkeit einander in Gottesdiensten zu besuchen und vielfältige Begegnungen, um einander besser kennen zu lernen und mögliche Vorurteile abzubauen. Dazu gehört auch die Überzeugung, dass möglichen Gefährdungen unseres Miteinanders der Nationen und Religionen präventiv begegnet werden soll.
Die Unterzeichnenden dieses Manifests sind sich darin einig, dass sich Stuttgart als eine internationale Stadt friedlich und qualitätsvoll entwickeln soll. Die Vielfalt der Sprachen, Kulturen und Religionen gehören zum Reichtum unserer Stadt. Ihn müssen wir erhalten. Dazu wollen die Religionsgemeinschaften in Stuttgart beitragen.

Die Religionsgemeinschaften setzen sich deshalb dafür ein,

Aus: Manifest des Runden Tischs der Religionen in Stuttgart, Herbst 2004
(http://www.stuttgart.de/sde/sect/gen/85495.htm)